Portraits und persönliche Einblicke
Seit etwas mehr als einem Jahr arbeitet Dimitris als Gärtner im Schlossgarten in Heerbrugg. Er erzählt von seinem Burnout und dem Weg zurück in die Arbeitswelt.
Viel Struktur und noch mehr Freiheit
Seit etwas mehr als einem Jahr arbeitet Dimitris als Gärtner im Schlossgarten in Heerbrugg. Er ist zuständig für das Gemüse und ausserdem für Projekte: «Ich habe viele Ideen, möchte bald Safran anbauen oder eine biodiverse Wiese anlegen», erklärt er. Auch Pilze haben es ihm angetan. «Im letzten Winter haben wir hier im Keller erstmals
Champignons angebaut», sagt er, «das war ein Testlauf, aber am Schluss konnten wir zwei Kilo ernten.» Danach gab es im Schloss-Café Pilzragout und frische Pilze am Salatbuffet. Als Nächstes werden Austernseitlinge angebaut. «Ein toller Speisepilz, und perfekt geeignet für vegane Schnitzel, besser als jedes Filet», schwärmt der Mann.
Wenn Dimitris vom Garten erzählt, von den Pilzen, von den Projekten, dann leuchten seine Augen. Schon als Kind zog es ihn in den Schrebergarten seiner Eltern, später machte er eine Lehre als Chemielaborant und konnte so seine zwei grossen Interessen zusammenbringen: Natur und Wissenschaft. Kein Wunder, ist er im Schlossgarten vom Förderraum im Element. «Hier fühle ich mich wohl», sagt er; hier gibt es klare Strukturen und dennoch die Freiheit zum Experimentieren.
Nicht immer fühlte sich Dimitris, der mittlerweile 40 Jahre alt ist, so wohl. Schon gar nicht 2019, als er nach einem Burnout seine Stelle beim kantonalen Gesundheitsamt verlor. Da ging es ihm richtig schlecht, es folgten Zeiten der Orientierungslosigkeit, Zeiten der Unsicherheit. Da gab es Aufenthalte in der Klinik, berufliche Integrationsmassnahmen, Assessments.
Es folgte ein Praktikum im Botanischen Garten in St.Gallen, wo er wieder auflebte – und auch beste Bewertungen erhielt. So gut, dass ihn die Verantwortlichen sogar fest anstellen wollten – aber nicht konnten, weil er kein gelernter Gärtner ist.
Zu dieser Zeit reifte auch eine Selbsterkenntnis, die er so formuliert: «Wenn mich jemand zu 100 Prozent einstellt, dann bin ich der Rekordhalter im Kranksein. Bietet er mir aber eine 50-Prozent-Stelle, dann arbeite ich zuverlässig wie eine Schweizer Uhr.»
Mittlerweile erhält Dimitris eine Teilrente von der IV, was ihm die Möglichkeit gibt, beim Förderraum zu arbeiten, in der gewünschten 50-Prozent-Anstellung im wunderschön gelegenen Schlossgarten am Hang ob Heerbrugg. «Hier möchte ich auch in zehn Jahren noch arbeiten», sagt Dimitris.
Der Schlossgarten und Schloss-Café Heerbrugg sind Teil der Angebote des Förderraums am Standort Heerbrugg. Hier bietet der Förderraum Arbeitsplätze im zweiten Arbeitsmarkt, im Garten, in der Küche oder im Service – und damit eine wertvolle Chance für Menschen wie Dimitris, Menschen mit besonderen Bedürfnissen.
Einstieg, Stabilisierung und Übergang
Wir unterstützen Menschen bei der beruflichen Integration und Teilhabe. Angebote wie im Portrait beschrieben dienen dem Erlangen von Stabilität. Wenn es die gesundheitliche Entwicklung zulässt, begleiten wir die Personen anschliessend im Übergang in den allgemeinen Arbeitsmarkt.
Haben Sie Fragen zum Angebot der begleiteten Arbeitsplätze?
Das Beratungsteam gibt von Montag bis Donnerstag von 8 bis 17 Uhr gerne Auskunft.
Wir freuen uns, Sie kennenzulernen.