Portraits und persönliche Einblicke
Es gibt Menschen, die ihre besten Leistungen erbringen, wenn sie unter Druck stehen. Darauf sind Schule und Berufswelt bestens eingerichtet – mit Zeugnisnoten, Deadlines oder Konkurrenzkampf. Doch es gibt auch Menschen, denen Leistungsdruck und Erwartungshaltungen sämtliche Energien nehmen – für sie hat unsere Gesellschaft merklich weniger Mittel und Wege.
Mit Wohlwollen statt mit Leistungsdruck
Das musste auch die heute 18-jährige Gioia erfahren, als sie vor zwei Jahren eine Lehrstelle antrat. Sie wählte die Ausbildung zur Fachfrau Betreuung in einer Kita. Im Praktikum davor war noch alles gut gegangen. Doch nun fühlte sich Gioia im Team nicht mehr wohl. Sie entschied sich, die Stelle zu verlassen.
Gioia nahm sich Zeit, die Erfahrungen zu verarbeiten und sich neu zu orientieren. Dann wagte sie einen zweiten Versuch – mit demselben Berufswunsch und erneut mit einem Praktikum. Im Sommer 2025 startete die Lehre, dieses Mal in einer Institution für Menschen mit Beeinträchtigung. «Ich kam in ein eingespieltes Team und fühlte mich von Anfang an nicht zugehörig», erzählt Gioia.
Als sie dann auch noch wegen Pfeifferschem Drüsenfieber wochenlang ausfiel, war der Faden definitiv gerissen. Jetzt wurde sie gekündigt.
Nach diesen zwei Fehlversuchen beim Berufseinstieg war für Gioia und ihre Eltern klar, dass nun eine passendere Ausbildungsstätte gefunden werden musste. Sie entdeckten das Angebot Klar.Doch. vom Förderraum. «Die kaufmännische Lehre kombiniert eine reguläre Berufsausbildung mit intensiver, individueller Unterstützung und Begleitung – als Vorbereitung für den Übergang in den ersten Arbeitsmarkt.», heisst es in der Ausschreibung.
Genau das war es, was Gioia nun brauchte: «Hier werde ich mit meiner ganzen Persönlichkeit wahrgenommen, Dinge werden angesprochen und es gibt Verständnis für meine Situation.»
Persönlichkeit und Situation: Wer Gioia kennenlernt, begegnet einer offenen, wortgewandten und sensiblen jungen Frau. Dass sie ADHS hat, erwähnt sie im Gespräch ebenso wie die Tatsache, dass bei ihr als Vierjährige Diabetes diagnostiziert wurde. Ihre Sensibilität und das ADHS machten sie möglicherweise verletzlicher. Bereits im Kindergarten und danach vier Jahre lang wurde sie von einer «Freundin» gemobbt. Erst der Übertritt in eine Sonderschule und dort ein guter Lehrer gaben dem Mädchen wieder Boden unter den Füssen.
Auch im Förderraum wird an diesem Fundament gearbeitet – mit Wohlwollen statt mit Leistungsdruck. Wenn Gioia sich sicher genug für die Welt da draussen fühlt, kann es sein, dass sie in einem oder zwei Jahren ihre Lehre ausserhalb des Förderraums fortsetzt. «Das müsste ein Betrieb sein, in dem ich mich angenommen und unterstützt fühle», sagt sie selbstbewusst.
Einstieg, Stabilisierung und Übergang
Wir unterstützen Menschen bei der beruflichen Integration und Teilhabe. Angebote wie im Portrait beschrieben dienen dem Erlangen von Stabilität. Wenn es die gesundheitliche Entwicklung zulässt, begleiten wir die Personen anschliessend im Übergang in den allgemeinen Arbeitsmarkt.
Haben Sie Fragen zum den Ausbildungsmöglichkeiten im Förderraum?
Das Beratungsteam gibt von Montag bis Donnerstag von 8 bis 17 Uhr gerne Auskunft.
Wir freuen uns, Sie kennenzulernen.